Zwingende soziale Interaktionen
Heute ist ein außergewöhnlicher Tag für mich - in mehreren Hinsichten. Mir wurde die Möglichkeit offeriert, einen Gastbeitrag im Liebesblog zu veröffentlichen. Dies lässt mich nun doch etwas erzittern - wird doch ein gewisser qualitativer Anspruch erwartet. ;) Erzittern lies mich übrigens auch mein Erlebnis, welches ich heute hatte und worüber ich berichten möchte. Der ein oder andere kennt es vielleicht und hat ähnliche Lokalitäten schon mal aufgesucht: Friseursalons!
Ich hege eine tiefe, innere Abneigung gegen Besuche bei diesen. Eigenartigerweise stehe ich hierbei mit meiner Haltung ziemlich alleine da in meinem Umfeld, welches mich zu dem Gedanken brachte, was stört mich daran eigentlich? Nach einigen grübeln (dieser Vorgang wird ganz treffend durch folgendes Video illustriert: http://www.youtube.com/watch?v=N-NhypCqnME), denke ich, die Ursache gefunden zu haben und bin ziemlich verblüfft, das ich mit meinem Standpunkt recht einsam da stehe. Man muss den Vorgang des Haare schneiden beim Friseur nur mal genau betrachtet und die einzelnen Vorgänge analysieren.
Als erstes hätten wir da die Tatsache, dass der Kunde sitzend vor einem Spiegel eine ungewisse Zeit verbringt. Dahinter ist zumeist ein riesiger Raum, welcher nahezu nicht überblickt werden kann, abgesehen von verschiedenen Ausschnitte durch diverse Spiegel, welche unseren Orientierungssinn voll einspannen. Ihr kennt das Gefühl vielleicht aus der Arbeit oder von daheim, es ist unangenehm, wenn hinter einem viel leerer Raum ist, welcher anonym ist. Man neigt hierbei dazu, Türen zu schließen oder Räume so einzurichten, dass hinter einem eine Wand oder wenigstens eine geschlossene Türe ist. Das erzeugt Sicherheit - ein elementares Bedürfnis des Menschen.
Der zweite Punkt äußert sich darin, dass uns die Fluchtmöglichkeiten fehlen. Wir sitzen auf unseren Stuhl, bekommen einen halben Müllsack über unseren Körper gestreift und sind beim vorigen Haare waschen mehr liegend als sitzend. Dies schränkt uns massiv in unserer Freiheit ein und unserem nächsten unterbewussten Verhalten nach Plänen und Möglichkeiten. Übrigens ist dies auch ein zentrales Problem beim Besuch von Zahnärzten, das Fehlen der Fluchtmöglichkeit. Das erzeugt Stress im Körper, da wir einer potenziellen Gefahr wesentlich schlechter begegnen können. Ganz so dramatisch ist es beim Friseur freilich nicht, aber das Ganze geht zweifelsfrei tendenziell in dieselbe psychologische Ecke. Am wohlsten fühlen wir uns, wenn wir über alle Freiheiten verfügen: "Flight AND Fight" - wie es in der evolutionären Psychologie so schön heißt. 'Flight' fehlt hier nur leider!
Womit wir auch schon beim dritten und schlimmsten Punkt angelangt sind: Der Mensch. Nun sind wir uns den Gegebenheiten der Aspekte eins und zwei bewusst und als würde dies noch nicht reichen, kommt nun auch noch eine fremde Person und wurschtelt in den Haaren herum - und zwar mit irgendwelchen spitzen oder scharfen Werkzeugen. Um das ganze abzurunden steht diese Person natürlich noch HINTER mir. Aufgrund meiner leicht geschwächten Augen helfen auch die Spiegel nicht mehr viel. Nun darf man das Ganze nicht falsch verstehen, ich mag es durchaus ganz gern, wenn mir Menschen in den Haaren rumwurtschteln, aber das erfordert eine Vertrauensbasis. Diese ist jedoch absolut nicht zwischen mir und meiner Friseurin vorhanden!
Damit bedient der Friseurbesuch eine ganze Palette an menschlichen Urängsten. Im Nachhinein bin ich eher verwundert, warum ich nicht komplett durchgeschwitzt den Laden verlassen habe. Da haben wir einmal die Angst vor dem Unbekannten (dem irrationalen - wir können uns darauf nicht vorbereiten), die Angst vor dem Plötzlichen und Intensivem (unsere Reaktion könnte zu langsam sein, wir könnten übertölpelt werden), die Angst vor der Fremde/dem Befremdlichen (wir kennen die Menschen im Friseurladen zumeist nicht - Ihre Motive sind uns unbekannt) und bei mir kommt noch die Angst der sensorischen/motorischen Defizite hinzu (ohne meine Brille - welche ich unglücklicherweise abnehmen muss - sehe ich quasi nichts). Damit wirken dermaßen viele Urängste auf mich ein, das ich meinen Standpunkt mehr als angemessen empfinde: Friseurbesuche sind doof!
Danke für die Aufmerksamkeit.
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Schöne Grüße auch von Manni.

1 comment:
http://www.youtube.com/watch?v=5qjYX1wni-o
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